Standortprobleme in Deutschland als Chance sehen
 
 

 
Technologieführer haben die Nase vorne

Alle fühlen sich betroffen, Politik und Wirtschaft suchen nach Auswegen: Globalisierung führt zur Verschärfung des internationalen Wettbewerbs. Die Auslese unter den Marktteilnehmern ist gnadenlos, und nur die Innovativen, Flexiblen und Produktiven überleben. Häufig sind es die Mittelständler, die erfolgreiche Wege aus der Krise suchen und auch finden. Ohne den Mittelstand stünde Deutschland im internationalen Wettbewerb noch viel schlechter da – denn der Mittelstand bildet nach wie vor das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft.

Martin BuckDie Probleme liegen auf der Hand: Der Standort Deutschland ist zu teuer, die Binnennachfrage kommt nicht in Schwung. Diese Einschätzung teilen die meisten mittelständischen Unternehmen, wie der aktuelle Mittelstandsreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zeigt. Martin Buck, Geschäftsführer der ifm electronic gmbh in Tettnang am Bodensee, sieht es so: „Wir haben uns Deutschland nicht aus strategischen Gründen ausgesucht, aber wir wollen die Vorteile als Chance begreifen. Auch wenn hier die Produktionskosten zu hoch sind.“

Und trotzdem bleiben viele Unternehmer dem heimischen Standort treu. Für ifm, einen der weltweit führenden Hersteller von Automatisierungstechnik und Sensoren, gibt es dafür gute Gründe. Diese liegen insbesondere in der engen Verzahnung von Forschung, Entwicklung und Produktion. Die räumliche Nähe der verschiedenen Standorte erhöht die Flexibilität, die gerade dann wichtig ist, wenn die hohen Standortkosten besonders effizientes Arbeiten erfordern.

Anders als Wettbewerber, die ihre Produktion teilweise ins Ausland verlagert haben, sieht man bei ifm gerade in den in Deutschland gewachsenen Strukturen einen entscheidenden Vorteil. „Bei uns arbeiten erfahrene und junge, gut ausgebildete Mitarbeiter Hand in Hand. Das kann man im Ausland nicht so schnell aufbauen.“, so der Geschäftsführer der ifm. Bewährt haben sich auch langjährige Kooperationen mit führenden deutschen Universitäten. Mittlerweile sind über 400 Patente, hinter denen eine enorme Entwicklungsarbeit steckt, mit dem Namen ifm verknüpft. Und weiterhin werden acht Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert.

Initiative PRO Standort DeutschlandAuch die „Initiative PRO Standort Deutschland“, die die Zeitung Produktion ausgerufen hat, findet die volle Unterstützung der ifm und anderer bislang knapp einhundert Unternehmen und Verbände. Diese Initiative zeigt, dass es immer noch viele Manager in Industriebetrieben und Persönlichkeiten in Verbänden gibt, die eine weitere Negativentwicklung des Standortes nicht hinnehmen wollen. Sie kämpfen für eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und wünschen sich, dass betriebliche Vereinbarungen so individuell wie die Unternehmen sein können.

Die ifm electronic beurteilt, wie andere exportorientierte Unternehmen dies auch tun, ihre Geschäftslage zumeist besser als der rein binnenorientierte Mittelstand. Die Global Player forschen und fertigen in Deutschland mit gewachsenem und ständig weiterentwickeltem Know-how und setzen ihre Produkte auf den globalisierten Märkten ab. Rund 90 Prozent der ifm-Produkte beispielsweise werden in Deutschland gefertigt, 70 Prozent davon gehen in den Export. Technologieführer haben so die Nase vorne – und Deutschland als integrierter Standort kann doch im internationalen Wettbewerb bestehen.